IN-Campus GmbH: Audi und Stadt Ingolstadt sanieren Raffineriegelände für Technologiepark

Audi baut für die Zukunft. Die IN-Campus GmbH, ein Joint Venture der Stadt Ingolstadt und der AUDI AG, investiert in einen Campus, der Fokus liegt auf den Technologien der Zukunft. Der incampus entsteht in der Nähe des Stammwerkes Ingolstadt auf einem 75 Hektar großen sanierten Gelände. Die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatunternehmen beim incampus-Projekt ist eine Transformationsgeschichte mit Vorbildcharakter.

Die Gebäude im Bauabschnitt 1

Der incampus entsteht auf einem ehemaligen Raffineriestandort in Ingolstadt. 2015 erwarb die IN-Campus GmbH, ein Joint Venture der AUDI AG und der Stadt Ingolstadt, den größten Teil der Industriebrache. Die erforderliche Sanierung von Boden und Grundwasser begann im Herbst 2016 im Norden des Geländes und war Ende 2021 baulich abgeschlossen. Parallel zur Revitalisierung hatte auf den sanierten beziehungsweise unbelasteten Teilflächen bereits die Bebauung begonnen. Im Laufe des Jahres 2023 sollen die aktuell entstehenden Hochbauten des Bauabschnitts 1 fertig sein.

Eine wesentliche Stärke des incampus-Geländes ist die zusammenhängende Fläche von 75 Hektar, wie sie sonst in Ingolstadt und der Region nicht zu finden ist. Sie bietet die Chance, einen weiträumigen, flexiblen und attraktiven Technologiepark zu schaffen, in dem Hightech und Kreativität zusammenfinden. 60 Hektar sind künftig Gewerbe- und Industriegebiet, sie sollen in drei Abschnitten bebaut werden. Ein weiterer Vorteil ist die Lage des Areals: Es liegt nah am Audi Stammwerk im Osten Ingolstadts und unmittelbar an der Autobahn A 9.

Offen und naturnah: die Gesamtanlage

Der incampus ist als offene Anlage ohne Werkzaun konzipiert, als echter Campus also. An seinem Südrand liegt der Audi Sportpark – das Stadion des FC Ingolstadt 04 –, im Westen grenzt ein Gewerbegebiet an. Im Norden und Osten erstrecken sich lichte Auwälder am Ufer der Donau. Der Übergang dorthin erfolgt in einem Grünzug von 15 Hektar Fläche; hier entsteht ein naturnaher Auwald mit Magerrasen und Weidenbäumen als Ausgleichsfläche. Auf diese Weise verbindet der incampus den urbanen Raum mit dem der Ruhe der Donauauen, er bildet eine Schnittstelle zwischen Hightech und Natur. Von Norden nach Süden – von der Donau zum Stadion – verläuft eine etwa ein Kilometer lange Allee mit Grünanlagen über den incampus. An mehreren Stellen weitet sich diese rund 50 Meter breite „Campus-Ader“ zu kleinen Plätzen, einem vitalen Kommunikations- und Begegnungsraum für die Beschäftigten und Menschen, die das Areal besuchen.

Ideenfabrik: das Projekthaus

    • Seit Herbst 2018 wird auf dem incampus kräftig gebaut. Ein prägendes Gebäudeareal im Bauabschnitt 1 ist das sogenannte Projekthaus. Es bildet im Nordwesten des Geländes einen großzügigen Komplex aus vier Baukörpern. Hier arbeiten Menschen an Zukunftstechnologien. Die neue Ideenfabrik bietet Platz für etwa 1.400 Mitarbeiter_innen von Audi und ausgewählten Partnerfirmen. Die insgesamt 42.000 Quadratmeter große Büro- und Werkstattfläche, ergänzt durch Konferenzräume und Gastronomie, ist komplett bezogen.
    • CARIAD bündelt die Softwarekompetenzen des Volkswagen Konzerns und ist seit Ende 2020 mit einem Kompetenzzentrum am incampus angesiedelt. Der Technologiepark bietet den IT-Expert_innen des Softwareunternehmens ein attraktives Umfeld für flexibles Arbeiten.

Unterdessen laufen die Infrastrukturarbeiten für den Bauabschnitt 1. Der incampus hat eine direkte Anbindung an die Autobahn A 9 erhalten und die neu errichtete incampus-Allee ist seit Januar 2021 für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Bereits seit Jahren dient die Autobahn A 9 als digitales Testfeld für die Entwicklung des automatisierten Fahrens. Dieses Testfeld wird nun über die Auwaldseestraße bis zum incampus erweitert.

Modernste Technologie: das Fahrzeugsicherheitszentrum

Das größte Gebäude im Bauabschnitt 1 wird das Fahrzeugsicherheitszentrum sein, dessen Bau im Frühjahr 2020 gestartet ist und Ende 2023 abgeschlossen sein soll. Das Hauptgebäude bildet einen Kubus von 130 × 110 Meter Kantenlänge und 20 Meter Höhe.

Das Herzstück des Bauwerkes bildet die sogenannte Crash-Arena, ein stützenfreier Bereich von 50 × 50 Meter Fläche. Ein mobiler Crash-Block ist in der Crash-Arena beweglich angeordnet und ermöglicht einen hocheffizienten Ablauf bei den vielfältigen Crash-Versuchsarten. Der Bereich ist von mehreren Crash-Bahnen durchzogen, sodass auch Versuche zu Kollisionen zwischen zwei Fahrzeugen und zur aktiven Sicherheit möglich sind. Die längste Anlaufbahn misst 240 Meter und erlaubt Versuche mit Geschwindigkeiten, die über den üblichen Anforderungen liegen. Dank einer neuartigen Schlittenbahn mit sogenannter Verzögerungseinheit wird die Entwicklung von Gurtsystemen und Airbags noch effizienter ablaufen. Hochmoderne Highspeed-Kameras und energieeffiziente LED-Lichtsysteme unterstützen das Team im Fahrzeugsicherheitszentrum bei seiner Arbeit. Ein Dummy-Labor, Komponentenprüfstände, Werkstätten und Büros komplettieren das Gebäude.

Das neue Fahrzeugsicherheitszentrum, das die Aufgaben der bestehenden Anlage auf dem Gelände der Technischen Entwicklung (TE) übernehmen wird, kann pro Jahr noch wesentlich mehr Gesamtfahrzeug-Crashes bewältigen als bisher. Konzept, Technik und angrenzende Erweiterungsflächen stellen sicher, dass es auf viele Jahre hinaus den Anforderungen genügen wird. Das ist wichtig für die sich verschärfenden Normen und Vorschriften auf den weltweiten Märkten und für neue technologische Anforderungen.

Trotz aller rasanten Fortschritte in der Simulationstechnik bleiben reale Crash-Versuche und Komponentenprüfungen der Hardware unverzichtbar.

Smarte Energie: die Energiezentrale

Die Energiezentrale befindet sich nordöstlich des Projekthauses und hat den Regelbetrieb zur Versorgung des incampus aufgenommen. Sie stellt nicht nur Energie bereit – sie ist auch das Herz und das Gehirn des energetischen Konzepts für den incampus.

Ein wesentlicher Grundbaustein für das innovative Energiekonzept ist das sogenannte LowEx-Netz: Dieses wasserbasierte Rohrleitungsnetz dient allen Gebäuden auf dem incampus als Wärmequelle und Wärmesenke. Hierfür werden bereits Kunststoffleitungen mit einem Rohrdurchmesser von ca. 60 bis 80 Zentimeter im Boden des Bauabschnittes 1 verlegt. Gebäude mit einer hohen Kühllast (z. B. das Rechenzentrum) geben anfallende Abwärme in das Netz, Gebäude mit einer hohen Heizlast entnehmen die nötige Energie dem LowEx-Netz. So werden Verbraucher zu Erzeugern. Die Temperatur des Netzes bewegt sich bewusst unter Ausnutzung der saisonalen Schwankung zwischen 5 °C und 30 °C – das ist ideal, um z. B. Umweltwärme oder Abwärme in das Netz einzuspeisen. Mit Hilfe von reversiblen Wärmepumpen in den jeweiligen Gebäuden werden die notwendigen Systemtemperaturen sichergestellt.

Thermische Energiespeicher leisten in der Energiezentrale einen wesentlichen Beitrag zum Lastmanagement und zur Steigerung der Energieeffizienz des Gesamtsystems. Mit einem Fassungsvolumen von ca. 3.000 Kubikmetern speichern sie sowohl Wärme als auch Kälte.

Als zentrale Intelligenz für die Energieversorgung dient das CEC-System (CEC = Cross Energy Concept). Es managt das Zusammenspiel aller technischen Komponenten im Sinne maximaler Effizienz.

Das Energiekonzept ist modular und hochflexibel ausgelegt. Im Bauabschnitt 1 bezieht der incampus noch Strom und Fernwärme von außen. Die mittelfristige Vision ist ein Nullenergiecampus, der in hohem Maße selbst erzeugte und regenerative Energien nutzt und dafür immer wieder neue Innovationsbausteine integriert. Das kann eine Photovoltaikanlage mit hohem Wirkungsgrad ebenso sein wie eine industrielle Brennstoffzelle – oder auch Technologien, die heute noch gar nicht auf dem Markt verfügbar sind.

Digitaler Nervenknoten: das Rechenzentrum

Zwischen dem Projekthaus und dem Fahrzeugsicherheitszentrum ist ein neues Rechenzentrum auf einer Geschossfläche von fast 10.000 Quadratmetern entstanden. Hier stehen etwa 8.000 Server, Speicher- und Netzwerkkomponenten auf einer IT-Fläche von 2.000 Quadratmetern. Das Rechenzentrum unterstützt die Zukunftsprojekte der AUDI AG mit modernster Hard- und Software; in seinem Technikkonzept stehen maximale Verfügbarkeit und höchste Ausfallsicherheit an erster Stelle.

Sicherheit im Fokus: das Funktionsgebäude

Im Nordosten des incampus ist ein zweigeschossiges Funktionsgebäude angesiedelt; hier sind Objektschutz, Schulungsräume, eine incampus-eigene Feuerwache und eine medizinische Notfallstation integriert. Baustart war 2020 und bereits zum August 2021 konnte die Nutzungsaufnahme erfolgen.

Die Sanierung des ehemaligen Raffineriegeländes

Der incampus entsteht auf einem ehemaligen Raffineriestandort, der 43 Jahre in Betrieb war. Von 1965 bis 2008 sind hier verschiedene Erdölprodukte hergestellt worden. Nach der Einstellung des Betriebs wurden die Anlagen bis 2013 rückgebaut. Im Herbst 2015 erwarb die IN-Campus GmbH, ein Joint Venture der AUDI AG und der Stadt Ingolstadt, das Gelände und unterzeichnete wenige Monate später einen öffentlich-rechtlichen Sanierungsvertrag.

Aus den etwa 1.200 Erkundungsbohrungen und 50.000 Laboranalysen, die über die Jahre hinweg vorgenommen wurden, ergab sich, dass 22 Hektar Fläche belastet und sanierungsbedürftig waren. Im Boden fanden sich 900 Tonnen Schweröl, 200 Tonnen Leichtbenzin und 100 Kilogramm per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Die erforderliche Sanierung von Boden und Grundwasser begann im Herbst 2016 – ausgeführt von der ARGE IN-Campus GbR, einer Arbeitsgemeinschaft aus drei Fachfirmen, die hochmoderne Methoden nutzt. Seit Ende 2021 sind die baulichen Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Das Monitoring des Sanierungserfolgs soll im Laufe des Jahres 2023 abgeschlossen sein. Die Abstromsicherung wird voraussichtlich bis 2028 laufen.

Das Projekt umfasst vier Verfahren: die Abstromsicherung, die Air-Sparging-Methode sowie den Wabenaushub mit nachgeschalteter Bodenwäsche.

Bei der Abstromsicherung holen zehn Brunnen am Rand des Areals das belastete Grundwasser mit elektrischen Pumpen aus dem Boden. Eine Aufbereitungsanlage reinigt das Wasser zu über 99,9 Prozent von den Schadstoffen.

Die Air-Sparging-Methode richtet sich gegen die leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe, das sind Bestandteile der Benzinkraftstoffe. Durch hunderte Leitungen wird Luft in den Boden geblasen, die die in Boden und Grundwasser gelösten Schadstoffe aufnimmt. Knapp unterhalb der Erdoberfläche wird die Luft durch Drainagerohre abgesaugt und gereinigt.

Um die PFC-Rückstände aus Löschschäumen und die Mineralölkohlenwasserstoffe (Reste des Schweröls) zu eliminieren, wird der belastete Boden ausgehoben. Dies geschieht in einem neuartigen, hochpräzisen Verfahren, indem hydraulische Vibrationsrammen stählerne Waben in die Erde treiben. In der Summe holen sie 600.000 Tonnen Material aus dem Boden, vor allem den für das Gelände typischen Sand und Kies.

In einer Bodenwaschanlage werden die Schadstoffe mit Wasser vom Bodenmaterial abgereinigt. Das Wasser läuft im Kreislauf über eine Aufbereitungsanlage, eine Anlage reinigt die entstehende Abluft. Mehr als 90 Prozent des aufbereiteten und gereinigten Bodenmaterials werden wieder in die Wabenlöcher verfüllt, der Rest wird deponiert.

Die Sanierung des incampus-Geländes ist eines der größten Bodensanierungsprojekte in Deutschland und die erste vollumfängliche Sanierung eines Raffineriegeländes in Bayern. Ein Team unabhängiger Gutachter_innen überwacht alle Abläufe und dokumentiert sie in einem Geo-Informationssystem. In der Fachöffentlichkeit hat das incampus-Projekt bereits großes Interesse erregt, häufig informieren sich Menschen auf dem Gelände über die Reinigungsmaßnahmen.