Fahrerpräsentation Rallye Dakar

Der Routinier

Dreimal hat Lucas Cruz als Beifahrer bislang die Rallye Dakar gewonnen. Dabei arbeitete der Spanier jedes Mal an der Seite von Carlos Sainz. Seit mittlerweile zwölf Jahren bestreitet das Spanier-Duo gemeinsam Marathon-Rallyes.

Verständnis und Vertrauen sind für Lucas Cruz entscheidend für den Erfolg von Fahrer und Beifahrer bei Marathon-Rallyes. „Im Cockpit herrscht bei diesen Marathons immer Hochspannung, weil nur ein kleiner Fehler von einem von uns beiden zu großem Schaden führen kann“, erklärt Lucas Cruz. Diese Hochspannung führt manchmal auch zu Reibereien zwischen Pilot und Co-Pilot: „Wir müssen oft innerhalb von Millisekunden entscheiden, welchen Weg wir wählen. Da geht auch mal was schief und das stresst dann natürlich. Aber wir haben eine grundsätzlich gute Balance miteinander und finden immer wieder zusammen.“

Carlos Sainz bestätigt seinen Co-Piloten: „Außenstehende können sich nicht vorstellen, wie es auf manchen Etappen im Rallyeauto zugeht. Umso wichtiger ist, dass Fahrer und Beifahrer immer wieder auch außerhalb des Cockpits ihre Beziehung pflegen.“ Fehler gehörten überall im Leben dazu, so Sainz. „Wenn Fehler passieren, müssen wir gerade im Rallyeauto in der Lage sein, danach schnell eine neue Seite aufzuschlagen. Wir müssen immer weiterarbeiten und bis zum Ende kämpfen.“

Trotz manch stressiger Momente: „Die Zusammenarbeit mit Carlos ist ein Vergnügen.“ Jedenfalls für Lucas Cruz, seit er Mitte 2009 den Job des Navigators neben Sainz übernahm. „Mehr Freund als Kollege ist Carlos für mich“, sagt Cruz. Er vergleicht ihre über so viele Jahre gewachsene Beziehung mit der eines alten Ehepaars: „Du weißt meist ganz genau, was gerade im Kopf des anderen vorgeht.“

Während einer Rallye wie der Dakar erledigen Fahrer und Beifahrer über weite Strecken ihren Job so, als wären sie eine Person. „Der Beifahrer schaut auf den Bildschirm und erklärt dem Fahrer Weg und Piste. Der Fahrer guckt nach vorne und folgt diesen Anweisungen im meist dichten Sandstaub im wahrsten Sinne des Wortes blind“, beschreibt Lucas Cruz ihren Arbeitsalltag.

Und wie erlebt er Carlos Sainz neben sich im Cockpit? „Begeisternd, denn er ist immer voller Leidenschaft am Lenkrad, bleibt trotzdem aber immer sehr ruhig und relaxt“, antwortet Cruz. Für ihn besonders wichtig: „Wenn ich Zeit zum Analysieren und Rausfinden der besten Lösung brauche, dann versteht Carlos das und vertraut mir.“

Noch etwas, so Cruz, zeichne seinen Steuermann besonders aus: „Carlos ist ein superprofessioneller Motorsportler. Sein Ziel ist immer Exzellenz. Zu jeder Zeit versucht er, das Beste aus sich, seinem Beifahrer, seinem Auto, seinem Team, aus allem herauszuholen.“ Carlos Sainz fordere immer und überall, dass jeder Beteiligte sein Bestes gibt. Immer mit dem einen Fokus: zu gewinnen.

Auch Lucas Cruz reizen bei den Rallye-Marathons Siege, besonders der beim Klassiker Dakar. Doch ihn begeistert auch die Technik enorm: „Großartig, dass Audi als erster Hersteller den elektrifizierten Antrieb bei der Dakar, der weltweit härtesten Autoveranstaltung, einsetzt. Denn E-Technologie ist die Zukunft der Mobilität.“

Diese neue Technik selbst intensiv kennenzulernen, darauf freut sich Lucas Cruz besonders. „Wir Beifahrer werden bei Audi während der Vorbereitung auf die Rallye Dakar 2022 intensiv trainieren, im Rennen mögliche Probleme mit dem elektrifizierten Antrieb selbst im oder am Auto zu beheben. Wenn du mit dem Reparieren warten musst, bis ein Service-Truck zu Hilfe kommt, wächst dein Rückstand rapide.“ Im Notfall ist der Beifahrer der erste und oft auch der wichtigste Mechaniker.

In Sachen Fitness muss der Mensch auf dem rechten Sitz eines Dakar-Rallyeautos genauso auf der Höhe sein wie derjenige auf dem Fahrerplatz. „Um Hitze, Staub, vor allem aber die Erschütterungen auf den harten Pisten wegzustecken, brauchst du eine ganz hervorragende Kondition“, weiß der 46-jährige Cruz.

Deshalb wird der Spanier auch vor der kommenden Rallye Dakar von seinem Wohnort nahe Barcelona immer wieder nach Madrid reisen und dort gemeinsam mit Carlos Sainz trainieren. Denn Lucas Cruz ist davon überzeugt: „Auch mit seinen 59 Jahren ist Carlos weltweit ein Maßstab an Motivation und Leidenschaft.“

Kennengelernt haben sich die beiden 1994. „Carlos betreute damals ein Förderprojekt für den spanischen Rallye-Nachwuchs. Ich war einer der Teilnehmer“, berichtet Lucas Cruz. Es war die Zeit, als „El Matador“ in der Rallye-Weltmeisterschaft einer der führenden Fahrer war. Längst nennt auch Carlos Sainz seinen Co-Piloten „Freund“. Denn: „Ich vertraue Lucas wirklich und mag ihn sehr.“

Biografie
Lucas Cruz (E)

Geburtsdatum: 26. Dezember 1974
Geburtsort: Barcelona (E)
Wohnort: Caldes de Montbui (E)
Familienstand: ledig, eine Tochter (Edurne)
Größe/Gewicht: 1,79 m/78 kg
Motorsport seit: 1994 (Audi-Beifahrer seit 2021)

Karriere als Beifahrer:

1994–2000 Rallye-Beifahrer
2001
Rallye Dakar (Fahrer José-Luis Monterde)
2006
Rallye Dakar (Fahrer Jean Pujol – Kategorie Trucks)
2007
Rallye Dakar (Fahrer Nani Roma)
2009
Rallye Dakar (Fahrer Nani Roma), 1. Platz Silk Way Rallye, 1. Platz Rally dos Sertoes (Fahrer jeweils Carlos Sainz)
2010
1. Platz Rallye Dakar, 1. Platz Silk Way Rallye (Fahrer jeweils Carlos Sainz)
2011
3. Platz Rallye Dakar (Fahrer Carlos Sainz)
2012
Rallye Dakar (Fahrer Nasser Al-Attiyah)
2013
Rallye Dakar (Fahrer Nasser Al-Attiyah)
2014
3. Platz Rallye Dakar (Fahrer Nasser Al-Attiyah)
2015
Rallye Dakar (Fahrer Carlos Sainz)
2016
Rallye Dakar (Fahrer Carlos Sainz)
2017
Rallye Dakar (Fahrer Carlos Sainz)
2018
1. Platz Rallye Dakar (Fahrer Carlos Sainz)
2019
13. Platz Rallye Dakar, 2. Platz Rallye Marokko, 2. Platz Baja Sharqiyah (Fahrer jeweils Carlos Sainz)
2020
1. Platz Rallye Dakar, 2. Platz Baja Hail 1, 1. Platz Baja Hail 2 (Fahrer jeweils Carlos Sainz)
2021
3. Platz Rallye Dakar (Fahrer Carlos Sainz), Audi-Dakar-Projekt

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